Montag, 20. Juli 2015

Wordcount - nützlich oder irreführend?

Passend zur Camp NaNoWriMo-Zeit ist mir letzte Nacht eine Frage in den Sinn gekommen, die so penetrant war, dass ich nicht einschlafen konnte.

Wie ihr ja alle wisst, geht es beim Camp NaNoWriMo darum, ein bestimmtes Wortziel innerhalb eines Monats zu erreichen. Ich habe mittlerweile die 30.000-Wortmarke geknackt und bin auch mächtig stolz darauf, da ich nicht erwartet hätte, das in so kurzer Zeit zu erreichen. Aber genau da setzt die Frage an, die mich letzte Nacht so heftig gequält hat: Was sagt der Wordcount eigentlich über einen Autor bzw. einen Text aus? Ist es wirklich etwas Positives, möglichst viele Wörter zu Papier bzw. auf den Bildschirm zu bringen oder birgt das womöglich sogar Fallstricke?



Ich frage mich das deshalb, weil ich folgende Beobachtung gemacht habe: Wenn ich mir zum Ziel setze, einen bestimmten Wordcount zu erreichen, leidet die Qualität meines Textes beträchtlich. Ich beginne zu schwafeln, mich zu wiederholen und lange Monstersätze zu konstruieren. Mein Camp NaNoWriMo-Projekt mag momentan über 25.000 Wörter haben, aber sollte ich das Manuskript jemals überarbeiten, werde ich es ziemlich kürzen müssen.

Im Gegenzug ist mir aufgefallen, dass, wenn ich großen Wert auf die Qualität meines Textes lege und plane, diesen zu veröffentlichen, ich automatisch kürzere Texte schreibe. Ich lasse lange Beschreibungen weg, bringe die Sache auf den Punkt, kürze Füllwörter.

Ich muss allerdings hinzufügen, dass ich ein Fan kürzerer Texte bin. Ich lese relativ selten wirklich dicke Wälzer (die müssen schon sehr spannend sein, um mich bei Stange zu halten) und auch bei Kapiteln ziehe ich drei kurze einem langen vor.

Natürlich möchte ich damit nicht sagen, dass lange Texte automatisch schlecht sind. Es gibt Autoren, die so wortgewandt sind, dass sie lange und qualitativ hochwertige Geschichten schreiben können. Dennoch ist aber die Gefahr größer, gerade bei Nicht-Profis,  dass sie ihre Texte unnötig in die Länge ziehen.

Habt ihr schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht? Findet ihr, dass der Wordcount irreführend sein kann, wenn es darum geht, ob jemand ein guter Autor ist? Mögt ihr lieber lange Texte oder seid ihr von der "In der Kürze liegt die Würze"-Fraktion? Ich würde mich sehr über eure Gedanken zu diesem Thema freuen.

Kommentare:

  1. Um deine Titelfrage zu beantworten: Jein.

    Tatsächlich habe ich mich vor etwa einem Jahr genau das gleiche gefragt, im NaNo keinen Sinn mehr gesehen. Doch das hat sich ein bisschen geändert. Ich setze mich nicht mehr wegen der Wortzahlen unter Druck. Wenn ich ein Ziel schaffe, dann schaffe ich es, wenn nicht dann nicht. Generell finde ich es gut, viel zu schreiben, denn es ist besser das, was man hat zu überarbeiten, als gar nichts zu schreiben. Und ein bisschen Druck brauche ich schon, um zu schreiben.
    Das Problem, das du ansprichst kenne ich nur, wenn ich zu schnell schreibe. Zum Beispiel im letzten Juli die 50k5d-Challenge (50.000 Wörter in 5 Tagen). Dann fange ich an zu schafeln und mich zu wiederholen.
    Dennoch denke ich, streichen ist ok, man kann ja immer noch etwas hinzufügen. Und wenn du eben kürzere Sachen bevorzugst, dann ist es so. Du könntest dir im NaNo ja zwei kürzere (je 25k) Projekte vornehmen, dann bist du auch nicht gezwungen, die 50k auszuschreiben ;)

    Zum Lesen: Hm, das ist schwierig. Früher habe ich echt gerne dicke Bücher gelesen. Je dicker, desto besser. Jetzt, durch das Bloggen und die ganze Internet-Buch-Gemeinschaft, wird man angehalten, viele Bücher zu lesen - die Seitenzahlen sind da ja egal. Obwohl ich das nicht will, habe ich Hemmungen, zu dickeren Büchern zu greifen, weil ich in der Zeit ja zwei oder drei Bücher beenden könnte :/

    Naja, ich kämpfe dagegen an und gebe auch immer wieder dickeren Büchern eine Chance ^^

    Liebe Grüße, Tinka :)

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    1. Hallo liebe Tinka,

      danke für deinen Kommentar. Interessant zu lesen, was du über dieses Thema denkst.

      Wow, eine 50k5d-Challenge klingt für mich unvorstellbar schwierig. Ich weiß nicht, ob ich dazu in der Lage wäre - und ja, ich kann mir gut vorstellen, dass man bei einer solchen Herausforderung anfängt zu schwafeln und sich zu wiederholen. Da hat man ja auch gar nicht die Zeit, sich genau zu überlegen, wie man etwas formuliert. Trotzdem hast du dafür meinen Respekt! Ich weiß nicht, ob ich das schaffen würde.

      Das mit den zwei kurzen Projekten anstatt einem langen ist eine gute Idee. Wahrscheinlich wird es auch auf so etwas herauslaufen, vorausgesetzt ich habe genug Ideen. Ich bin mir nämlich immer noch nicht sicher, ob ich beim NaNo im November teilnehmen werde. Aber vermutlich werde ich es zumindest versuchen. Du hast Recht, man sollte sich dabei nicht unter Druck setzen - wenn es mit den 50k klappt, ist es toll, wenn nicht, dann geht die Welt auch nicht unter.

      Das Lesen ist natürlich Geschmackssache. Wobei ich auch schon dicke Wälzer wie Harry Potter oder die Biss-Bücher gelesen habe, so ist es nicht. Aber momentan möchte ich auch lieber mehr Bücher lesen und dafür kürzere, als ein paar ganz lange. Ich bin nämlich keine besonders schnelle Leserin und ich möchte regelmäßig etwas zum Rezensieren haben ;-)

      Es grüßt
      Myna

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